Kroatien-Woche 1: Zadar bis Primošten

Kroatien-Woche 1: Zadar bis Primošten

Seit einer Woche sind wir nun in Kroatien. Während ich diese Zeilen schreibe, sitzen wir oberhalb von Primošten in einem Olivenhain, und haben die schönste Aussicht, die man sich wünschen kann. Obwohl die Sonne scheint, ist es recht frisch, denn der Wind pustet uns um die Ohren. Aber gut, das ist Meckern auf sehr hohem Niveau.

Anreise über Österreich und Slowenien

Nach einer Nacht auf einem Wohnmobilstellplatz am Chiemsee fahren wir in dem nassen Deutschland los nach Kroatien. Wir wollen durch Österreich und Slowenien reisen und haben insgesamt etwa 580 Kilometer mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 80 km/h auf der Autobahn vor uns, die wir auf zwei Tage aufteilen wollen. Am Tag vorher haben wir uns in einer ADAC Geschäftsstelle schon die Vignetten geholt, damit wir auf schnellstem Wege diese beiden Länder passieren können (9,40 EUR für Österreich, 15,- EUR für Slowenien). Wir fahren über Salzburg und Villach statt über Passau und Graz, weil wir damit die kürzeste Strecke durch Österreich fahren. In der aktuellen Situation sind deutsche Nummernschilder selbst an der Tanke nicht willkommen.

Die Einreisen in Österreich und Slowenien verlaufen problemlos. Personalausweise vorzeigen, Ziel nennen und schon geht es für uns weiter. Hauptsache, wir haben nicht vor, in dem Land zu bleiben. In der Dämmerung erahnen wir, wie schön bergig Slowenien ist. Auf der Autobahn geht es bergauf, bergab und durch Tunnel. Wir hoffen, dass wir am nächsten Tag im Hellen die Schönheit der Landschaft aus den Autofenstern genießen dürfen.

Unser Zwischenziel für eine Nacht ist Ljubljana, die Hauptstadt Sloweniens. In der Dunkelheit steuern wir einen Wohnmobilstellplatz neben einem Park and Ride Platz an. Knapp 5 EUR bis zum nächsten Morgen, inkl. Ver- und Entsorgung. Wir essen noch etwas, versorgen Pauli und fallen dann müde in den Alkoven.

Voller Vorfreude schiebe ich am nächsten Morgen das Fensterrollo herunter, um die Aussicht auf die Berge zu bestaunen. Aber: Fehlanzeige. Alles voller Nebel. Es sieht ein bisschen spooky aus auf diesem menschenleeren Park and Ride. Wir frühstücken, Pauli nimmt seine Lieblings-Reiseposition ein (vorne in meinem Schoß) und kurze Zeit später befinden wir uns wieder auf der Autobahn. Unser Ziel ist ein Stellplatz in der Nähe des Nationalparks Pliwitzer Seen. Für Kroatien gibt es keine Vingette, aber die Autobahnen sind mautpflichtig. D.h. bei der Auffahrt zieht man ein Ticket und zahlt, wenn man die Autobahn wieder verlässt. Das wollen wir sparen und außerdem die Landschaft genießen. Deshalb heißt es ab kurz vor Kroatien für das Google Navi: Mautstraßen vermeiden.

Kurz hinter der Grenze steuern wir noch Karlovac an, um uns eine Daten-SIM für lokales Internet zu organisieren. Schließlich müssen wir am Montag wieder arbeiten. Es ist strahlend blauer Himmel und die Sonne scheint. Das tut so gut! Ab geht’s in einen Telekom-Shop, wo wir für umgerechnet 11 EUR unlimited Internet für 7 Tagen bekommen. Zum Vergleich: Unlimited Prepaid von Vodafone kostet in Deutschland 80,- EUR im Monat.

1. Übernachtung in Rastoke

Wir fahren weiter nach Rastoke. Hier gibt es einen günstigen Wohnmobilstellplatz, von dem aus wir es am nächsten Morgen kapp 40 Kilometer zum Nationalpark haben. Als wir um die Kurve auf diesen kleinen Ort zu fahren, staunen wir nicht schlecht. Wir schauen hinab auf ein winzig Dörfchen mit alten Häusern, inmitten von einigen Wasserfällen. Was für ein Ausblick! Das müssen wir uns später genauer angucken. Aber erst einmal geht es zum Stellplatz. Der befindet sich auf einer Anhöhe, von der aus wir eine super schöne Aussicht in das Tal und den Ort haben.

Ich genieße meine erste Yoga-Einheit seit einer Woche in der Sonne. Auch Pauli hat ein gemütliches Plätzchen in der Sonne gefunden und Max genehmigt sich eine Tasse Kaffee. Wir sind froh, dass wir endlich in Kroatien angekommen sind!

Am Nachmittag machen wir einen Spaziergang durch Rastoke, was, wie wir zwischenzeitlich herausgefunden haben, der historische Stadtkern von Slunje ist. Wikipedia lässt uns wissen: „In Rastoke kann man in etwas kleinerem Format die gleichen Naturphänomene beobachten, welche auch für die Plitvicer Seen charakteristisch sind. Daher werden die Rastoke oft auch als die „kleinen Plitvicer Seen“ bezeichnet.“ Es ist faszinierend, wie sich das Wasser durch diesen Ort bewegt und z.B. direkt an der kleinen Terrasse eines Restaurants in die Tiefe stürzt. Wir sind begeistern und freuen uns noch mehr auf den morgigen Ausflug zu den Plitwitzer Seen.

Plitvice Jzenero

Am nächsten Morgen geht es früh morgens los zum Nationalpark. In dem Plitwitzer Seen Nationalpark befinden sich aktuell 16 Seen auf verschiedenen Höhen, die über zahlreiche Wasserfälle miteinander verbunden sind. Die Seen entstehen dadurch, dass sich das Kalk (sog. Travertin) im Wasser am Grund ablagert und somit Barrieren bildet, in denen sich das Wasser mit der Zeit sammelt. Das überlaufende Wasser stürzt in Stufen von See zu See, und landet schließlich in dem letzten unteren See, dem Novakovića brod. Die Seen haben eine Tiefe von gerade einmal 1 bis zu 37 Metern.

Neben dem Haupteingang, der sich am nächsten zum vermeintlichen Highlight des Parks, dem „Großen Wasserfall“, Veliki slap, befindet, gibt es einen zweiten, von dem aus es eine interessante Tour durch den Park gibt. Der Park ist übrigens UNESCO Weltnaturerbe. Wir zahlen 80 Kunar pro Person Eintritt, das sind etwas mehr als 10 EUR. Fahrten mit dem Panoramazug und den Booten sind im Preis inbegriffen.

Bei der 4- bis 6-stündigen Tour H, für die wir uns entschieden haben, können wir den kompletten Seenbereich des Parks besichtigen. Das Wetter könnte nicht besser sein für so einen Ausflug mit unserem Pauli. Nach einer ca. 15-minütigen Fahrt mit der Panoramabahn durch den Wald an den Fluss- und See-Ufern geht es ca. 5 Kilometer zu Fuß durch den Park. Über Stege laufen wir durch die Seen, vorbei an zahlreichen Wasserfällen. Jeder Wasserfall sieht anders aus, es ist atemberaubend! Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass kaum etwas los ist. In der Hauptsaison schieben sich hier die Menschenmassen über die Stege. In aller Ruhe Erinnerungsfotos machen ist da nicht. Wir genießen die Ruhe und Freiheit und kommen aus dem Fotos-Schießen gar nicht raus.

Nach der Wanderung geht es für uns mit einem Boot über den Kozjak, dem flächenmäßig größten der 16 Seen. Anschließend geht es wieder zu Fuß weiter, über Stege durch den Canyon der unteren Seen. Hier ist es schon etwas voller. Liegt vermutlich daran, dass es Mittag geworden ist an diesem Feiertag. Außerdem ist der Haupteingang nicht weiter entfernt. Viele Familien mit Kindern sind unterwegs. Teilweise führen die Stege direkt durch den Wasserfall. Das Wasser sprudelt durch die Spalten der Holzbalken hindurch.

Bevor der Weg über Serpentinen den Berg hinauf zur Panoramabahn weitergeht – in der prallen Sonne, wir freuen uns schon darauf Pauli berghoch tragen zu dürfen – machen wir einen Abstecher zu dem höchsten Wasserfall, der ganz okay ist. Die Wasserfälle auf dem Weg hier hin haben uns mehr beeindruckt.

Wir steigen den Berg hinauf, abwechselnd mit dem 13 Kilo Fliegengewicht Pauli im Arm. Von hier oben hat man noch einmal einen fantastischen Blick auf einen Wasserfall, den See und die Stege, die sich über das Wasser winden. Wir freuen uns, als wir erschöpft in den Sitzen der Panoramabahn versinken.

Der Nationalpark ist eine echte Empfehlung! Die Runde, die wir gemacht haben, ist auch eine gute Wahl. In der Hauptsaison wäre es uns allerdings viel zu voll.

Auf dem Weg nach Zadar…

Am Nachmittag fahren wir weiter Richtung Zadar. An der Küste, am Rande eines Nationalparks, gibt es einen Campingplatz, auf dem wir die nächste Woche verbringen wollen, um in Ruhe arbeiten zu können. Doch bis dorthin sollen wir es heute nicht schaffen. In Gračac, knapp 50 Kilometer von unserem Ziel entfernt, haben wir die erste Autopanne unseres Lebens. Das Gaspedal funktioniert nicht mehr. Wie sich später herausstellt, ist unser Zahnriemen gerissen. Wir dürfen auf dem Hof einer Familie, die am Unglücksort wohnt, die Nacht mit unserem verletzen Freddie verbringen. Zum Glück haben wir hier guten Internet-Empfang.

Am nächsten Tag kommt schon ein Mechaniker, der das Ersatzteil dabei hat. Ein Hoch auf den ADAC für diese schnelle und unkomplizierte Hilfe! Allerdings ist es leider mit dem Austausch des defekten Zahnriemens nicht erledigt. Aus dem Auspuff von Freddie kommt Qualm, jede Menge Qualm, wenn man Gas gibt. Mal weißer, mal schwarzer. Der Mechaniker versucht mit einem Schraubenzieher die Zahnräder des Motors richtig einzustellen, damit genau die richtige Menge Diesel zugeführt wird. Leider erfolglos. Wir müssen zu seiner Werkstatt abgeschleppt werden. Er organisiert einen Abschleppwagen, der uns ca. eine Stunde später auf seinen Anhänger zieht.

Die Werkstatt ist gar nicht mal um die Ecke. Wir fahren eine halbe Stunde über das karge Velebit-Gebirge. Die Aussicht ist bombastisch! Bei den zwei Tunnel, durch die wir fahren, halten Max und ich den Atem an und ziehen die Köpfe ein, damit wir ja nicht mit einem Cabrio-Wohnmobil auf der anderen Seite herauskommen. Der junge Fahrer ist ganz gelassen. Er macht das mit Sicherheit nicht zum ersten Mal. Ohne Verluste an Freddies Dach erreichen wir die Werkstatt, auf deren Schrottplatz wir die Nacht verbringen dürfen.

Am nächsten Morgen bringt uns der Mechaniker in die nächste Stadt, Razanac, wo wir es uns in einer Café Bar gemütlich machen und unser Office einrichten. Drei Stunden später holt er uns wieder ab. Uns fällt ein riesiger Stein vom Herzen, als wir unser rollendes Zuhause um die Ecke fahren sehen. Auch wenn der Mechaniker super lieb war – er hat uns am Vorabend sogar noch Dosenbier vorbeigebracht – hoffen wir, dass wir ihn so schnell nicht wiedersehen. Wir zahlen umgerechnet ca. 80 EUR für das Ersatzteil und die Arbeiten, den Rest übernimmt der ADAC.

Arbeiten mit Meerblick

Überglücklich machen wir uns auf den Weg zum Kamp Nina in Privlaka. Mit Nina habe ich vorher schon per Email geschrieben und ihr Campingplatz hat geöffnet. Wie zu erwarten war, sind wir ganz alleine dort. Der Campingplatz ist der Garten des Hauses ihrer Eltern. Es gibt Strom, Frischwasser, eine Entsorgungsmöglichkeit und ein Waschhaus. Und das allerbeste: Nur 10 Schritte vom Wohnmobil zum Meer. Was für ein Luxus, wir können unser Glück kaum fassen! Von hier aus dürfen wir die kommenden Tage arbeiten. Wir freuen uns auf einen ereignislosen Alltag für den Rest der Arbeitswoche.

Küstenstadt Zadar

Am Freitagnachmittag heißt es endlich: Uuuuuuurlaub! Wir verlassen unser Paradies und fahren weiter nach Zadar, um uns die Hafenstadt an der Adria anzuschauen. Auf dem Weg halten wir an einer Gasstation, um unsere leere Flasche auffüllen zu lassen. Für ca. 16 EUR bekommen wir 10L Gas, also ähnlich wie in Deutschland.

Auf einem Parkplatz gegenüber einer Einkaufsgalerie dürfen wir für 48 Kunar übernachten. Von hier aus ist es einen Steinwurf in die Altstadt. Wir spazieren an der mit Palmen und Eichen gesäumten Promenade entlang, von der aus man einen fantastischen Blick auf die Insel Ugljan hat. Am Ende des Weges entdecken wir die Meeresorgel. Unter den Steinstufen sind verschiedene Rohre verbaut, in die durch die Wellen Luft gepresst wird und somit Musik erklingt. Eine wirklich schöne Idee.

Auf dem Weg ins Zentrum der Altstadt entdecken wir im Stadthafen eine weitere Besonderheit Zadars: Die Barkajoli. Das sind Ruderer in roten kleinen Bötchen, die ihre Kunden von der auf einer Halbinsel gelegenen Altstadt auf das Festland bringen. Man spart sich damit den doch relativ langen Rundgang am Hafenufer entlang.

Für uns geht es aber rein in die Altstadt, um eine Runde durch die engen Gassen mit ihren glatten Steinen zu gehen. Am frühen Abend genießen wir noch ein Feierabend-Bier in einer Café Bar.

Krka Nationalpark

Trotz der zentralen Lage haben wir eine entspannte Nacht auf dem Parkplatz verbracht und können uns am nächsten Morgen ausgeruht und gestärkt auf den Weg zu unserem heutigen Ziel machen: Dem Krka Nationalpark. Wir fahren die kurvenreiche Jadranska Magistrala entlang, die Küstenstraße hier in Kroatien, und genießen die umwerfende Aussicht auf die Adria.

Nach ca. 1,5 Stunden und einer Fahrt durch die Serpentinen erreichen wir den angesteuerten Eingang zum Nationalpark bei Skradin. Wir erwischen noch einen freien Parkplatz unter Pinienbäumen, kaufen uns zwei Eintrittskarten und marschieren los. Etwa 3,5 Kilometer laufen wir entlang der Krka, bis wir den richtigen Eingang zum Nationalpark erreichen.

Hier erwartet uns ein zwei Kilometer langer Rundweg durch das alte Dorf und über Stegen von See zu See. Dabei können wie den Skradinski buk, der sich auch hier, wie die Wasserfälle an den Plitvicer Seen, über 17 Stufen hinunter stürzt, aus verschiedenen Perspektiven bestaunen. Auch hier sammelte sich Wasser an verschiedenen Stellen und hat kleine, bis zu 25 Meter tiefe Seen gebildet. Insgesamt gibt es in dem ganzen Park sieben Wasserfälle, einige Höhlen, Burgen und Wassermühlen anzuschauen. Man kann auch einige Stücke mit dem Boot auf der Krka fahren.

Weil wir unsere Masken im Auto vergessen haben, können wir leider nicht mit dem Boot zurück Richtung Parkplatz fahren, sondern müssen nach dem Rundgang am Wasserfall die 3,5 Kilometer wieder zurück zum Auto laufen. Für uns kein Problem, aber Klein-Pauli schwächelt schon ein wenig in der prallen Sonne. Und so kommt er wieder einmal in den Genuss, getragen zu werden. Und Max kann mal wieder etwas seinen Bizeps trainieren. Win-Win würde ich sagen 😀

Entspannen im Olivenhain

Nach dem wunderschönen Tag im Nationalpark fahren wir weiter die Jadranska Magistrala entlang Richtung Primošten. Hier soll es mitten in den Olivenbergen drei kostenlose Wohnmobilstellplätze geben, die ein Restaurantbesitzer aus dem Ort zur Verfügung stellt. Wenn uns der Platz gefällt, wollen wir dort einen gemütlichen Sonntag verbringen.

Die Anfahrt ist mal wieder abenteuerlich. Die steile, spitze Kurve auf die Straße, die durch die Olivenhaine führt, schaffen wir nicht von unten zu befahren. Also erst einmal drehen und mit Schwung schieben uns die Räder nach oben. Wir entscheiden uns, an den ersten beiden Platzmöglichkeiten vorbeizufahren, was sich als goldrichtig erweist. Denn der dritte Platz ist ein Traum! Wir können bis zur Abbruchkante vorfahren und haben einen fantastischen Blick auf die mit kleinen grünen Inseln gesäumte Küste. Wir genießen den Sonnenuntergang und verkrümeln uns danach schnell ins Wohnmobil. Denn sobald die Sonne untergeht, ist es recht frisch.

Den Sonntag nutzen wir für Entspannung in der Sonne, Blogartikel schreiben und zum ersten Mal Pfannen-Pizza machen. Das hat übrigens sehr gut funktioniert, wird es in Zukunft öfters bei uns geben. Außerdem testen wir – auch zum ersten Mal – unsere Solar-Dusche, um warmes Wasser zum Spülen zu haben. Max baut das Disko-Equiment aus unserem Wohnzimmer aus – der Vorbesitzer hat hier ein weiteres Radio sowie zwei riesige Lautsprecher eingebaut, die wir zu Hause noch ganz cool fanden. Als wir dann aber unterwegs festgestellt haben, wie viel Strom das Musikhören aus unseren Batterien saugt, entschieden wir uns schnell dazu, das unnötige Gewicht loszuwerden. Denn bei so einem schweren Auto zählt jedes Kilo 😉

Das war unsere erste Woche hier in Kroatien. Wenn du uns noch nicht bei Instagram folgst, dann schau dort gerne mal vorbei: @travelama.de

Bis zum nächsten Wochenrückblick und sonnige Grüße, wo auch immer du dich befindest.

Schweden-Woche 3: Ostküste bis Westküste

Schweden-Woche 3: Ostküste bis Westküste

Diese Woche gab es für uns eine Mischung aus Urlaub und Arbeiten. Laura, Justus und ich haben täglich am Vormittag bis 13:00 Uhr aus dem Van gearbeitet. Danach haben wir weiter das wunderschöne Schweden erkundet. So lässt es sich doch leben 😀

Schluss mit lustig, an die Arbeit!

Die neue Woche beginnen wir auf einem wunderbaren Campingplatz in Hargshamns. Hargshamns ist weniger als 100km nördlich von Stockholm an einem Fjord gelegen, an dem Übergang zwischen Ostsee und Bottnischem Meerbusen. Auf unserem Stellplatz haben wir direkten Blick auf das Wasser, inklusive Sandstrand und Badebucht. Sogar für Pauli gibt es einen kleinen Badeplatz.

Bei sehr wechselhaftem Wetter starten wir unsere ersten halben Arbeitstage: In Erfahrung bringen, was auf der Arbeit passiert ist, während wir im Urlaub waren, sowie die vielen Emails lesen & abarbeiten. Unterbrochen wird unsere Strebsamkeit lediglich davon, dass wir uns ständig den neuen Wetterbedingungen anpassen müssen: Tür öffnen, Tür schließen, Jacke an, Jacke aus, Pulli drüber, „T-Shirt reicht“, Jacke wieder an und so weiter. Das Wetter wechselt hier jede halbe Stunde, und wenn man den Himmel beobachtet, kann man sich eigentlich noch weniger darauf einstellen, denn die Wolkenbildung und Windrichtung scheinen hier anderen Naturgesetzen zu folgen 😀

Am wohlverdienten Feiernachmittag, unser Feierabend beginnt nämlich ab 13:00 Uhr, springen wir wieder in die Wanderschuhe und wollen die Gegend unsicher machen. In der Nähe gibt es einen kleinen Wald, den man laut Karte bei einer kleinen Wanderung erkunden kann. Auf der Karte vom Campingplatz ist zwar nur die Hälfte des Weges abgebildet, aber wir wollen uns überraschen lassen. Die Bewegung und frische Luft brauchen wir nach den 4 Stunden Dauer-Laptop-Arbeit dringend. Den Eingang zum Wanderweg finden wir recht schnell und marschieren los in den Wald hinein. Auch heute heißt es wieder leider „keine Pilze in Sicht“. Dafür sind die Wegesränder wieder voller Blaubeersträucher – Laura, Janne und Pauli kommen kaum hinterher mit dem Pflücken und Naschen der leckeren blauen Kügelchen.

Auf halber Strecke kürzen wir den Wanderweg ab, denn die Sonne überrascht uns heute ein weiteres Mal. Selbst im Wald wird es so recht warm – was für Pauli bekanntermaßen nicht so toll ist. Auf dem Rückweg entdecken wir mitten im Wald eine alte, verlassene Hütte. Dieser Lost-Place ist für Malina genau das Richtige. Die Hütte wurde teilweise von umgestürzten Bäumen zerstört und der Einstieg gestaltet sich etwas schwierig. Justus findet in einem Kämmerlein alte Klappstühle, verstaubte Kleidung und schwedische „Groschen“-Romane von 1979. Malina entdeckt einen alten Blech-Wasserkessel, den sie als Souvenir einsteckt. Wir laufen zufrieden zu unseren Reisemobilen zurück.

Auf dem Rückweg überkommt uns der Heißhunger auf Pommes. Die wollen wir schon seit Tagen essen. Und was für ein Glück, dass kurz vor dem Campingplatz ein griechisches Restaurant ist 😉 Justus und ich holen schnell Geld und besorgen eine ordentliche Portion von den köstlichen, goldgelben Kartoffelsticks. Beim Warten auf die Pommes gönnen wir uns eiskaltes, griechisches Bier mit 5,0% – also endlich mal wieder richtiges Bierchen und nicht das Reduzierte aus Schweden. Das macht diese Pommes mit umgerechnet 20€ zu den teuersten, die ich jemals gegessen habe 😀

Den Abend lassen wir bei untergehender Sonne ruhig ausklingen. Wir kochen Buchweizen-Risotto mit Blumenkohl an Curry-Sauce und genießen anschließend eine ausgiebige, warme Dusche.

Glückspilze und Abenteuer in Fjällnora

Die kommenden zwei Tage verbringen wir auf einem Campingplatz in Fjällnora, wenige Kilometer nördlich von Uppsala. Wir haben uns dazu entschlossen von der Ostküste wieder etwas mehr ins Landesinnere zu reisen. Dann haben wir es näher, wenn wir Malina am Donnerstag zum Flughafen nach Stockholm bringen. Anschließend wollen wir die vorhergesagten sonnigen Tage an Schwedens Westküste verbringen, damit wir knackig braun aus dem Urlaub wiederkommen 😉

Der Campingplatz in Fjällnora liegt an einem Naherholungsgebiet mit großem Badestrand, Grillplätzen, riesigen Tippie-Zelten, Fußballgolf, einem Hochseilgarten und einem Spielplatz für Janne. In den nächsten Tagen sehen wir immer wieder Wanderer mit großem Gepäck auf ihren Rücken, da hier neben kleineren Rundwanderweg auch der 50 Kilometer lange Fernwanderweg „Upplandsleden“ verläuft. Derzeit bin ich etwas angefixt, was Fernwanderungen angeht, da ich das Buch von Simon Michalowicz, der Norwegen der Länge vom Süden bis zum Nordkapp wandert (Norge på langs) und seine Reise in diesem Buch beschreibt, lese. Ich bewundere die Ausdauer und den Willen, die hinter einer solchen mehrtägigen oder sogar mehrwöchigen Wanderung stecken, wirklich sehr.

Unser Stellplatz ist etwas abseits von dem Trubel in dem Naherholungsgebiet, auf der anderen Seite einer Koppel. Da es in den letzten Tagen auch hier immer wieder geschauert hat, ist der Boden stellenweise durchtränkt. Als Justus auf dem etwas abschüssigen Gelände rückwärts auf seine Auffahrkeile fahren will, drehen die Vorderräder an Ort und Stelle durch – festgefahren. Die Profile der Reifen füllen sich mit feuchter Erde und die Räder haben keinen Grip mehr. Das Wohnmobil gräbt sich nur immer weiter in den weichen Boden. Ein Abschleppseil, mit dem man den Wagen herausziehen könnte, haben weder wir noch Justus dabei (steht jetzt schon auf der Packliste für die nächste Tour). Das Problem lösen wir am folgenden Nachmitttag mit Spaten, Wagenheber und einigen Steinplatten absolut männlich-heroisch und parken Justus‘ Wohnmobil um. Dazu werden wir von einem unserer Nachbarn auf dem Platz herzlich beglückwünscht (wir wurden anscheinend beobachtet).

Den Rundwanderweg, den wir am zweiten Tag nach der Arbeit in Angriff nehmen, ist 4,5 km lang und führt um den nahegelegenen See Ramsen. Wir stampfen los und sind auch schon bald umgeben von dichtem Waldgrün und steinigen Wegen. Wir dürfen immer wieder die tolle Aussicht auf den glitzernden See genießen. An den Wegesrändern finden wir wie gewohnt zahlreiche wilde Heidelbeeren. Das führt dazu, dass wir die Hoffnung auf eine leckere Pilzpfanne recht frühzeitig aufgeben. Denn bisher hatten wir nur Pilzglück, wenn es keine Blaubeeren gab.

Dieser vermutete Zusammenhang erweist sich als falsch und wir werden nach einem Viertel der Strecke mit zwei richtig großen Birkenpilzen und einigen kleinen Frauenschwammerln überrascht. Das feiern wir natürlich richtig und die gute Laune steigt nochmal um einiges – heute Abend wird es Nudeln mit veganer Pilzrahmsoße vom allerfeinsten geben!

Schöner Wald, fantastische Aussichten, gutes Wetter, leckere Blaubeeren und Pilze – kann die Wanderung noch cooler werden? Ja, sie kann. An einer Holzbrücke auf ca. der Hälfte der Strecke entdeckt Laura, versteckt in den Steinen am Seeufer, eine Schlange. Unser Natur-Experte Justus identifiziert sie als giftige Ringelnatter. Also beobachten wir sie aus sicherer Entfernung, wie sie sich an den Steinen entlang schiebt und immer wieder ihren Kopf hebt, um zu schauen, was wir machen. Gegen Ende der Wanderung läuft uns eine Blindschleiche vor die Füße. Diese Echsenart ist nicht giftig und Justus nimmt sie in die Hand, damit wir sie uns näher anschauen können. Anfassen möchte sie aber sonst niemand von uns, auch nicht die abenteuerlustige Janne.

Das ganz große Abenteuer, das Janne sich bei jeder Wanderung wünscht, erleben wir, als wir plötzlich vor einem kaputten Steg stehen, der uns über den Fluss bringen soll. In der Mitte fehlt ein großes Stück und ein anderer Teil treibt im Wasser. „Na toll, durchschwimmen oder die ganze Strecke zurücklaufen“, denken wir im ersten Moment, bis wir merken, dass es sich um eine Floßbrücke handelt. Der Mittelteil der Brücke, der augenscheinlich im Wasser „treibt“, ist an Ketten befestigt, an denen man ihn von der einen zur anderen Seite bewegen. So hüpfen wir nacheinander auf die Plattform und schaffen es, den Fluss trockenen Fußes zu überquerten.

Zum Abschluss dieser wunderschönen Wanderung gibt am Spielplatz für jeden ein Eis vom Büdchen, bevor wir uns auf den Weg zu unseren Reisemobilen machen, um das köstlichste Pilzgericht der Welt zuzubereiten.

Endlich wieder Badewetter

Am kommenden Tag fährt Justus etwas früher los, um Malina zum Flughafen Arlanda zur bringen. Wir treffen uns gegen 16 Uhr auf dem Parkplatz eines Supermarkts in der Nähe von Stockholm wieder. Hier versorgen wir uns mit frischen Lebensmitteln und starten bei super Wetter mit bester Laune in den Nachmittag. Die Sonne hat es endlich durch die immer wieder auftauchende Wolkendecke geschafft und die Temperaturen erreichen schnell wieder 25°C. Wir tauschen unsere regenfesten Wanderschuhe gegen die luftigen Birkenstock Sandalen und wollen den angebrochenen Tag an einem Badplats verbringen.

Die Straße führt uns nach Kvicksund in die Nähe von Västerås an eine etwas abseits gelegene Badestelle. Der Parkplatz ist zwar etwa 500m von der eigentlichen Badestelle entfernt, das macht uns aber nichts aus, denn hier können wir auf jeden Fall bis zum nächsten Morgen stehen bleiben.

Wir packen unsere Badesachen und marschieren die kurze Strecke zum Wasser. Wenn jemand hinter uns gehen würde, würde er oder sie denken, dass wir unterwegs den Schuhplattler tanzen. Unsere sexy Waden sind das Ziel zahlreicher Mücken und wir klatschen beim Gehen immer wieder mit der flachen Hand auf unsere Unterschenkel.
Zum Glück bezieht sich das Mückenproblem nur auf den Weg zum Wasser. An dem tollen Badeplatz selbst haben wir unsere Ruhe, zum einen von den kleinen Plagegeistern und zum anderen von weiteren Badegästen. Die Badestelle wird unser kleiner Privatstrand.

Den kommenden Vormittag verbringen wir arbeitsbedingt im Auto und unser Moskitonetz kommt zum ersten Mal zum Einsatz. Bei geöffneter Schiebetür befestigen wir das Netz, das eigentlich für’s Bett gedacht ist, einfach von außen mit Magneten an Freddies Karosserie. Das geht schnell und funktioniert wunderbar. Wir freuen uns sehr über den Insektenschutz, denn zu den Mücken gesellen sich noch einige Bremsen.

Nach getaner Arbeit heißt es wieder: Back on the Road. Denn unser Ziel, die Westküste Schwedens, ist noch einige Kilometer entfernt.

Baden die Zweite diese Woche

Wir fahren knapp 200km in die Nähe von Mariestad am Vänern, dem größten See Schwedens. Mit seinen 5.519 Quadratkilometern Fläche ist der Vänern sogar der drittgrößte See Europas. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Am westlichen Rand von Mariestad gibt es eine große Golfanlage und einen Parkplatz mit Zugang zu einem großen Sandstrand. Es gibt sogar einen separaten Hundestrand, der sowohl für Hund als auch Mensch wirklich schön ist. Wir haben Glück und der Hundestrand ist im Gegensatz zum normalen Badestrand kaum besucht. So finden wir ein nettes, sonniges Plätzchen in Wassernähe und genießen einfach mal die Ruhe und die Sonne nach der langen Fahrt.

Baden im Naturreservat Stora Amundön

Wir fahren weiter an die Westküste. Unser Ziel ist ein Badeplatz im Großraum Göteborg. Der Wettergott meint es heute wieder sehr gut mit uns. Vermutlich ist das die Entschädigung für die letzten 2 Wochen, siehe Wochenrückblick Woche 1 und Woche 2 😉

Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir ca. 2 Stunden nach Stora Amundön. Auf Google Maps hat Justus hier einen schönen, großen Sandstrand ausfindig gemacht. Voller Vorfreude folgen wir den Anweisungen der Google Navigation und stehen plötzlich vor einem verschlossenen Tor. Hier geht’s nicht weiter. Wir prüfen das Ziel in der Navigation. Aber das stimmt, hier sollte es eigentlich weiter gehen zu dem Parkplatz der Badestelle. Da wir uns nicht mit dem eisernen Wegversperrer anlegen wollen, legen wir den Rückwärtsgang ein und stellen uns auf den nahegelegenen große Schotterparkplatz. Dort finden wir heraus, dass unser ursprügnliches Ziel ein Badeplatz extra für Behinderten ist. Das erklärt, warum es hier nicht weiter ging. Aber zum Glück gibt es noch weitere Badestellen auf einer kleinen Insel, die wir zu Fuß von dem Schotterparkplatz erreichen können. Also, Badesachen und ein bisschen Proviant eingepackt und schon geht’s los.

Die Insel ist richtig cool! Es gibt einen Rundwanderweg, den Naturstig, über den man verschiedene kleinere und größere Badestellen in dem Naturreservat erreichen kann. Wir treten direkt ein in ein umzäuntes Gelände, in dem zwei Pferde „frei“ herumlaufen und zahlreiche Gänse grasen. Der Weg führt weiter durch einen Eichenwald. Die knorrigen Bäume sind ganz merkwürdig geformt. Die Äste gehen häufig fast im rechten Winkel vom Stamm ab und an den Felsen werden sie platt und schmiegen sie sich wie Pudding an das Gestein.

Es geht weiter am felsigen Ufer entlang, teilweise über Holzstege, die im Felsen befestigt direkt am Wasser verlaufen. Wir kommen an eine große Wiese mit einem kleinen Sandstrand, auf der wir uns niederlassen. Im Wasser schwimmen zwar einige Algen und auch der Boden ist mit Algen bedeckt, aber die Wassertemperatur ist okay. Laut Tafel soll es 17 Grad warm sein. Es weht eine leichte Brise, sodass es trotz wolkenfreiem Himmel und strahlendem Sonnenschein nicht zu warm ist. Wir genießen den wunderschönen Nachmittag mit Sonnenbaden, Schwimmen und Lesen am Strand. Laura überwindet sogar ihre Angst vor Wasser, bei dem sie den Boden nicht sehen oder mit den Füßen fühlen kann, und schwimmt mit Janne und Justus einige Meter im tiefen Meer. Es ist so tief, dass man von den Felsen reinspringen kann. Also wirklich tief.

An diesem Platz gefällt es uns so gut, dass wir bis Montag bleiben wollen und dann nach der Arbeit weiter fahren Richtung Trelleborg. Am kommenden Donnerstag geht leider unsere Fähre wieder zurück nach Deutschland.

Übernachtungsspots der Woche:

Veganes Essen:

  • Buchweizen-Risotto mit Blumenkohl an Curry-Sauce
  • Vegane Hot-Dogs, wieder mit der bekannten Burger-Sauce
  • One Pot Pasta mit cremiger Pilzsauce
  • Kartoffel-Möhren-Untereinander mit Kidneybohnenbuletten und Salat
  • Gemüse-Bratkartoffeln mit Blumenkohl und Würstchen
  • Wraps mit Salat, Tofuwürfeln und köstlicher Cocktailsauce


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