Höga Kusten mit dem Wohnmobil

Höga Kusten mit dem Wohnmobil

Bergige Küsten in Schweden? Ja, die gibt es. Und zwar etwas oberhalb von Sundvall an der Höga Kusten, Schweden’s High Coast in Norrland! Wir haben die Region erstmals im Sommer 2021 mit unserem Camper besucht und waren sehr begeistert von der interessanten Küstenregion. Denn sie ist so ganz anders als der Rest der flachen schwedischen Küste.

Was ist das Besondere an der High Coast?

Während der letzten Eiszeit war ganz Skandinavien – wie auch Alaska, Teile von Kanada, Schottland und Ostsibirien – von einer bis zu 3 Kilometer dicken Eisschicht bedeckt, die das Land nach unten gedrückt hat. Als das Eis am Ende der Eiszeit geschmolzen ist, vor über 11.000 Jahren, wurde damit die Last vom Land genommen und das Land hat sich nach und nach angehoben. Es tauchen neue Inseln aus dem Meer heraus auf, Inseln werden zu Halbinseln, Fjorde werden vom Meer abgeschnitten und es entstehen Seen. Dieses Aufsteigen der Landmassen nach der Eiszeit nennt man übrigens postglaziale Landerhebung.

Und das ist an keiner anderen Stelle der Erde so stark passiert wie hier an der Höga Kusten in Schweden. Um knapp 300 Meter hat sich das Land hier angehoben. Dadurch entstanden für die Region untypisch hohe Berge. Auch heute noch hebt sich das Land um ca. 8 mm pro Jahr.

Die Höga Kusten bildet zusammen mit einem bestimmten Teil des finnischen Schärengartens ein länderübergreifendes UNESCO Weltnaturerbe.

Ausflusgziele in der Höga Kusten Region

Es gibt zahlreiche kleine Fischerdörfchen, Fjorde, Seen und natürlich Berge und Naturreservate, die du in dem schönen Küstengebiet entdecken kannst. In dem folgenden Abschnitt teilen wir unsere Tipps mit dir und einen Nicht-Tipp mit dir für deinen Urlaub an der High Coast.

Högakustenbron

Die Högakustenbron ist eine imposante Hängebrücke über den Fluss Ångermanälven. Die Region hieß auch früher wie der Fluss, Ångermanland. An was denkt man, wenn man die Brücke sieht? Genau, die Golden Gate Bridge in San Francisco. Das liegt an der ähnlichen Konstruktion dieser Bauwerke mit den zwei hohen Säulen und dem großen Abstand zwischen diesen Säulen. Diese Distanz ist hier an der Högakustenbron nur 70 Meter kürzer als bei der Schwesterbrücke in den USA.

Die Hängebrücke ist das Eingangstor in das Weltnaturerbe. Direkt hinter ihr auf der rechten Seite befindet sich, in einem Hotel, die Touristeninformation. Hier bekommst du Kartenmaterial und individuelle Ausflugstipps von den netten Mitarbeitern vor Ort.
Außerdem gibt es einen kostenlosen Wohnmobilparkplatz, auf dem man übernachten darf, inkl. Zugang zu öffentlichen Toiletten (sehr sauber!) und Picknick-Plätze mit 1A-Blick auf die Brücke.

Der Parkplatz liegt am Hornöberget, den du auf verschiedenen Routen besteigen und mit zahlreichen Infotafeln auch noch Informatives über die Höga Kusten erfahren kannst. Eine Wanderkarte findest du draußen an der Wand des Hotels.

Touristväg

Die E4 führt entlang des Küstengebiets weiter Richtung Norden. Das wäre auch unsere Route gewesen, wenn uns die nette Dame in der Information nicht von dem „Turistväg“ erzählt hätte, der rechts von der E4 abführt. Die touristisch interessanten Straßen sind mit einer weißen Blume auf einem braunen Schild gekennzeichnet. Auch wenn auf der Karte nur ein Weg eingezeichnet ist, existieren viele verschiedene Routen durch die Dörfer und Berge der High Coast. Auf dem Weg gibt es zahlreiche Naturreservate und Berge, die du auf Wanderungen meist innerhalb weniger Stunden erkunden kann.

Berg „Valkullen“

Wir können den Berg „Valkullen“ bei Lövvik empfehlen, den man hoch und runter in 2-3 Stunden erwandern kann. Von hier aus hat man eine schöne Aussicht auf die Högakustenbron. Am besten gehst du gegen den Uhrzeigersinn, weil der Abstieg auf dem Rückweg so am einfachsten ist. Der Aufstieg verläuft ungefestigt durch den Wald und über Stufen, also nichts für den Kinderwagen.

Naturreservat Rotsidan

Folgst du dem auf der Karte eingezeichneten Turistväg, kommst du am Naturreservat „Rotsidan“ vorbei. Dieser Küstenabschnitt ist ein 4 Kilometer langer, felsiger Strand. Die Felsen sind von den Wellen schön rund abgeschliffen – ideal, um einen sonnigen Badetag dort zu verbringen! Es gibt auch einige Picknick- und Grillplätze.
Vom Parkplatz gehst du ca. 15 Minuten durch einen schönen Kiefern- und Fichtenwald.

Wir waren an einem nebeligen Morgen dort, und haben deshalb leider nicht viel gesehen. Vielleicht hast du bei deinem Besuch ja mehr Glück mit dem Wetter!

Bönhamn

Der Besuch dieses kleinen Fischerdörfchen war für uns eigentlich nur Mittel zum Zweck. Denn vor dem Ortseingang gibt es einen großen Parkplatz, auf dem man für 100 SEK – in den Briefkasten an der Einfahrt zu entrichten – mit dem Wohnmobil und Wohnwagen übernachten darf. Der Boden ist teilweise relativ weich, also Achtung bei Regen.

Am Abend haben wir einen Spaziergang in das Dorf gemacht und waren fasziniert von dem Ort. Die schnuckeligen Fischerhäuschen, kleinen Boote und Mini-Inseln und die Aussicht auf das Meer sind fantastisch, besonders in der ruhigen Abenddämmerung. Wir haben keine Menschenseele angetroffen und konnten die herrliche Atmosphäre genießen. Für tagsüber gibt es dort auch ein kleines Café.

Naturreservat Skuleberget

Links von der E4 liegt auf Höhe des Nationalparks Skuleskogen der Skuleberget. Am Fuße des Berges befindet sich der Campingplatz Frilustbyn, den wir für eine Nacht angesteuert haben. Als wir dort ankamen dachten wir zuerst „Hm, dieses Highlight haben wir uns irgendwie größer vorgestellt“. Auf der Wanderung hoch auf den Gipfel sollten wir eines Besseren gelehrt werden.

Es gibt verschiedene Wege, um auf den Skuleberget hoch zu kommen:

  • Eine relativ einfache, 2,5 Kilometer lange Wanderung, die im Süden am Campingplatz startet – die haben wir gewählt – und eine weitere relativ einfache Wanderung von 2,7 Kilometern Länge auf der Ostseite des Berges. Beide sind weniger steil als die anderen Routen, aber trotzdem felsig und anstrengend. Es lohnt sich, sich immer mal wieder umzudrehen und die Aussicht auf die Küste zu genießen.
    Für den Abstieg haben wir die Abzweigung entlang des Sessellifts gewählt, weil sie kürzer und weniger felsig ist. Den Abstieg über den östlichen Hang haben wir leider nicht gefunden – wahrscheinlich waren wir blind.
  • Wer es abenteuerlicher mag, wählt den Grottstigen für den Aufstieg, der sehr steil sein soll. Für den nur 600 Meter kurzen Weg soll man ca. 1,5 Stunden brauchen! Man wird aber mit einer Aussicht durch die sogenannte Königs- oder Räuberhöhle belohnt. Für den Abstieg – insbesondere bei Regen – wird der Weg allerdings nichts empfohlen, weil er sehr steil ist.
  • Es gibt sogar vier Kletterouten bis ganz nach oben auf den Berg. Hierfür soll vorher der Anbieter „Via Ferrata“ kontaktiert werden.
  • Und normalerweise kann man mit einem Sessellift hochfahren, der bei unserem Besuch allerdings geschlossen hatte (soll 2022 wieder eröffnet werden).

Der Blick von oben ist fantastisch! Wir hatten tolles Wetter am Nachmittag und konnten die klare Aussicht in alle Richtungen genießen.

Der Campingplatz Friluftbyn ist wirklich schön gemacht mit zwei Service-Häusern und einem „Camper-Treff“ in der Mitte, der schöne Chill-Ecken und Grillstellen bietet. Auch Küchen sind vorhanden. Bei Regen muss man aufpassen, weil die Wohnmobil-Stellplätze auf einer Wiese sind, die gut feucht und weich wird. Preis: 250 SEK für ein Wohnmobil ohne Strom, 290 SEK mit Strom. Zum Duschen und für die Waschmaschine brauchst du SEK-Münzen. Dusche: 10 SEK/ 5 Minuten, Waschmaschine: 20 SEK/ Waschgang.

Skuleskogen Nationalpark

Hier haben wir bisher unsere spannendste Wanderung in Schweden gemacht! Der Nationalpark hat einen Süd-, einen West- und einen Nord-Eingang. Das Highlight des Parks, die Felsschlucht Slattdalsskrevan, erreichst du am besten vom Nord- oder Südeingang.
Wir können dir die Runde vom Südeingang beginnend empfehlen, die zuerst dem Höga Kusten Trial folgt, und dann nach dem Bestaunen und Fotografieren der Felsschlucht wieder zurück und links über den blauen Trial weiter geht. Da kletterst du noch ganz nach oben und kannst eine fantastische Aussicht auf die Küste genießen!
Wir hatten leider nicht gecheckt, dass man für die Felsspalte noch etwas weiter geradeaus und dann wieder zurückgehen muss, und haben sie deshalb leider verpasst. Poste doch ein Bild von der Stelle bei Instagram und markieren uns mit @travelama.de!

Die Wanderung insgesamt ist total spannend, weil einige Teile des Weges überflutet sind und du dir im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein hüpfend den Weg nach oben bahnst. Teilweise sind auch die Stege unter Wasser. Aber hier existieren schon Pfade um diese Stellen drum herum. Und oben auf dem Gipfel ist das Plateau wunderschön mit einzelnen Nadelbäumen, Moos und natürlich Felsen.

Auf dem Wohnmobilparkplatz des Nationalparks darf man wohl auch übernachten. Handyempfang hatten wir hier allerdings nicht.

Nicht-Tipp: Freilichtmuseum Mannaminne

Das Freilichtmuseum wird in der Karte von der Höga Kusten empfohlen, und auch die Dame in der Touristen Information hat uns ermutig, dort vorbeizuschauen. Allerdings können wir einen Besuch dort zum aktuellen Preis von 150 SEK pro Person nicht empfehlen. Dafür ist es einfach zu teuer, unserer Meinung nach.

Du findest in Mannaminne von einem Künstlerpaar erbaute Gebäude, Kunstwerke und Geschichten aus aller Welt. Die meisten Informationen sind leider nur auf schwedisch vorhanden. Klar, manche Sachen sehen wirklich cool aus, wie die riesige, dreidimensionale Weltkugel oder das Technikmuseum mit alten Autos. Aber wie gesagt, den Preis ist es für uns nicht wert gewesen.

Aber schau selbst, ob das Museum dein Interesse weckt: Website von Mannaminne

Fazit: Eine absolute Empfehlung!

Insgesamt sind wir sehr begeistert von dem Küstengebiet Höga Kusten! Natürlich gibt es vor allem im Nachbarland Norwegen weiteraus spektakulärere Berge und Aussichten an der Küste. Aber für schwedische Verhältnisse ist die High Coast auf jeden Fall ein Highlight, zumindest für uns.

Auf YouTube haben wir zwei Videos für dich, mit denen du dir einen visuellen Eindruck von der High Coast machen kannst: