Höga Kusten mit dem Wohnmobil

Höga Kusten mit dem Wohnmobil

Bergige Küsten in Schweden? Ja, die gibt es. Und zwar etwas oberhalb von Sundvall an der Höga Kusten, Schweden’s High Coast in Norrland! Wir haben die Region erstmals im Sommer 2021 mit unserem Camper besucht und waren sehr begeistert von der interessanten Küstenregion. Denn sie ist so ganz anders als der Rest der flachen schwedischen Küste.

Was ist das Besondere an der High Coast?

Während der letzten Eiszeit war ganz Skandinavien – wie auch Alaska, Teile von Kanada, Schottland und Ostsibirien – von einer bis zu 3 Kilometer dicken Eisschicht bedeckt, die das Land nach unten gedrückt hat. Als das Eis am Ende der Eiszeit geschmolzen ist, vor über 11.000 Jahren, wurde damit die Last vom Land genommen und das Land hat sich nach und nach angehoben. Es tauchen neue Inseln aus dem Meer heraus auf, Inseln werden zu Halbinseln, Fjorde werden vom Meer abgeschnitten und es entstehen Seen. Dieses Aufsteigen der Landmassen nach der Eiszeit nennt man übrigens postglaziale Landerhebung.

Und das ist an keiner anderen Stelle der Erde so stark passiert wie hier an der Höga Kusten in Schweden. Um knapp 300 Meter hat sich das Land hier angehoben. Dadurch entstanden für die Region untypisch hohe Berge. Auch heute noch hebt sich das Land um ca. 8 mm pro Jahr.

Die Höga Kusten bildet zusammen mit einem bestimmten Teil des finnischen Schärengartens ein länderübergreifendes UNESCO Weltnaturerbe.

Ausflusgziele in der Höga Kusten Region

Es gibt zahlreiche kleine Fischerdörfchen, Fjorde, Seen und natürlich Berge und Naturreservate, die du in dem schönen Küstengebiet entdecken kannst. In dem folgenden Abschnitt teilen wir unsere Tipps mit dir und einen Nicht-Tipp mit dir für deinen Urlaub an der High Coast.

Högakustenbron

Die Högakustenbron ist eine imposante Hängebrücke über den Fluss Ångermanälven. Die Region hieß auch früher wie der Fluss, Ångermanland. An was denkt man, wenn man die Brücke sieht? Genau, die Golden Gate Bridge in San Francisco. Das liegt an der ähnlichen Konstruktion dieser Bauwerke mit den zwei hohen Säulen und dem großen Abstand zwischen diesen Säulen. Diese Distanz ist hier an der Högakustenbron nur 70 Meter kürzer als bei der Schwesterbrücke in den USA.

Die Hängebrücke ist das Eingangstor in das Weltnaturerbe. Direkt hinter ihr auf der rechten Seite befindet sich, in einem Hotel, die Touristeninformation. Hier bekommst du Kartenmaterial und individuelle Ausflugstipps von den netten Mitarbeitern vor Ort.
Außerdem gibt es einen kostenlosen Wohnmobilparkplatz, auf dem man übernachten darf, inkl. Zugang zu öffentlichen Toiletten (sehr sauber!) und Picknick-Plätze mit 1A-Blick auf die Brücke.

Der Parkplatz liegt am Hornöberget, den du auf verschiedenen Routen besteigen und mit zahlreichen Infotafeln auch noch Informatives über die Höga Kusten erfahren kannst. Eine Wanderkarte findest du draußen an der Wand des Hotels.

Touristväg

Die E4 führt entlang des Küstengebiets weiter Richtung Norden. Das wäre auch unsere Route gewesen, wenn uns die nette Dame in der Information nicht von dem „Turistväg“ erzählt hätte, der rechts von der E4 abführt. Die touristisch interessanten Straßen sind mit einer weißen Blume auf einem braunen Schild gekennzeichnet. Auch wenn auf der Karte nur ein Weg eingezeichnet ist, existieren viele verschiedene Routen durch die Dörfer und Berge der High Coast. Auf dem Weg gibt es zahlreiche Naturreservate und Berge, die du auf Wanderungen meist innerhalb weniger Stunden erkunden kann.

Berg „Valkullen“

Wir können den Berg „Valkullen“ bei Lövvik empfehlen, den man hoch und runter in 2-3 Stunden erwandern kann. Von hier aus hat man eine schöne Aussicht auf die Högakustenbron. Am besten gehst du gegen den Uhrzeigersinn, weil der Abstieg auf dem Rückweg so am einfachsten ist. Der Aufstieg verläuft ungefestigt durch den Wald und über Stufen, also nichts für den Kinderwagen.

Naturreservat Rotsidan

Folgst du dem auf der Karte eingezeichneten Turistväg, kommst du am Naturreservat „Rotsidan“ vorbei. Dieser Küstenabschnitt ist ein 4 Kilometer langer, felsiger Strand. Die Felsen sind von den Wellen schön rund abgeschliffen – ideal, um einen sonnigen Badetag dort zu verbringen! Es gibt auch einige Picknick- und Grillplätze.
Vom Parkplatz gehst du ca. 15 Minuten durch einen schönen Kiefern- und Fichtenwald.

Wir waren an einem nebeligen Morgen dort, und haben deshalb leider nicht viel gesehen. Vielleicht hast du bei deinem Besuch ja mehr Glück mit dem Wetter!

Bönhamn

Der Besuch dieses kleinen Fischerdörfchen war für uns eigentlich nur Mittel zum Zweck. Denn vor dem Ortseingang gibt es einen großen Parkplatz, auf dem man für 100 SEK – in den Briefkasten an der Einfahrt zu entrichten – mit dem Wohnmobil und Wohnwagen übernachten darf. Der Boden ist teilweise relativ weich, also Achtung bei Regen.

Am Abend haben wir einen Spaziergang in das Dorf gemacht und waren fasziniert von dem Ort. Die schnuckeligen Fischerhäuschen, kleinen Boote und Mini-Inseln und die Aussicht auf das Meer sind fantastisch, besonders in der ruhigen Abenddämmerung. Wir haben keine Menschenseele angetroffen und konnten die herrliche Atmosphäre genießen. Für tagsüber gibt es dort auch ein kleines Café.

Naturreservat Skuleberget

Links von der E4 liegt auf Höhe des Nationalparks Skuleskogen der Skuleberget. Am Fuße des Berges befindet sich der Campingplatz Frilustbyn, den wir für eine Nacht angesteuert haben. Als wir dort ankamen dachten wir zuerst „Hm, dieses Highlight haben wir uns irgendwie größer vorgestellt“. Auf der Wanderung hoch auf den Gipfel sollten wir eines Besseren gelehrt werden.

Es gibt verschiedene Wege, um auf den Skuleberget hoch zu kommen:

  • Eine relativ einfache, 2,5 Kilometer lange Wanderung, die im Süden am Campingplatz startet – die haben wir gewählt – und eine weitere relativ einfache Wanderung von 2,7 Kilometern Länge auf der Ostseite des Berges. Beide sind weniger steil als die anderen Routen, aber trotzdem felsig und anstrengend. Es lohnt sich, sich immer mal wieder umzudrehen und die Aussicht auf die Küste zu genießen.
    Für den Abstieg haben wir die Abzweigung entlang des Sessellifts gewählt, weil sie kürzer und weniger felsig ist. Den Abstieg über den östlichen Hang haben wir leider nicht gefunden – wahrscheinlich waren wir blind.
  • Wer es abenteuerlicher mag, wählt den Grottstigen für den Aufstieg, der sehr steil sein soll. Für den nur 600 Meter kurzen Weg soll man ca. 1,5 Stunden brauchen! Man wird aber mit einer Aussicht durch die sogenannte Königs- oder Räuberhöhle belohnt. Für den Abstieg – insbesondere bei Regen – wird der Weg allerdings nichts empfohlen, weil er sehr steil ist.
  • Es gibt sogar vier Kletterouten bis ganz nach oben auf den Berg. Hierfür soll vorher der Anbieter „Via Ferrata“ kontaktiert werden.
  • Und normalerweise kann man mit einem Sessellift hochfahren, der bei unserem Besuch allerdings geschlossen hatte (soll 2022 wieder eröffnet werden).

Der Blick von oben ist fantastisch! Wir hatten tolles Wetter am Nachmittag und konnten die klare Aussicht in alle Richtungen genießen.

Der Campingplatz Friluftbyn ist wirklich schön gemacht mit zwei Service-Häusern und einem „Camper-Treff“ in der Mitte, der schöne Chill-Ecken und Grillstellen bietet. Auch Küchen sind vorhanden. Bei Regen muss man aufpassen, weil die Wohnmobil-Stellplätze auf einer Wiese sind, die gut feucht und weich wird. Preis: 250 SEK für ein Wohnmobil ohne Strom, 290 SEK mit Strom. Zum Duschen und für die Waschmaschine brauchst du SEK-Münzen. Dusche: 10 SEK/ 5 Minuten, Waschmaschine: 20 SEK/ Waschgang.

Skuleskogen Nationalpark

Hier haben wir bisher unsere spannendste Wanderung in Schweden gemacht! Der Nationalpark hat einen Süd-, einen West- und einen Nord-Eingang. Das Highlight des Parks, die Felsschlucht Slattdalsskrevan, erreichst du am besten vom Nord- oder Südeingang.
Wir können dir die Runde vom Südeingang beginnend empfehlen, die zuerst dem Höga Kusten Trial folgt, und dann nach dem Bestaunen und Fotografieren der Felsschlucht wieder zurück und links über den blauen Trial weiter geht. Da kletterst du noch ganz nach oben und kannst eine fantastische Aussicht auf die Küste genießen!
Wir hatten leider nicht gecheckt, dass man für die Felsspalte noch etwas weiter geradeaus und dann wieder zurückgehen muss, und haben sie deshalb leider verpasst. Poste doch ein Bild von der Stelle bei Instagram und markieren uns mit @travelama.de!

Die Wanderung insgesamt ist total spannend, weil einige Teile des Weges überflutet sind und du dir im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein hüpfend den Weg nach oben bahnst. Teilweise sind auch die Stege unter Wasser. Aber hier existieren schon Pfade um diese Stellen drum herum. Und oben auf dem Gipfel ist das Plateau wunderschön mit einzelnen Nadelbäumen, Moos und natürlich Felsen.

Auf dem Wohnmobilparkplatz des Nationalparks darf man wohl auch übernachten. Handyempfang hatten wir hier allerdings nicht.

Nicht-Tipp: Freilichtmuseum Mannaminne

Das Freilichtmuseum wird in der Karte von der Höga Kusten empfohlen, und auch die Dame in der Touristen Information hat uns ermutig, dort vorbeizuschauen. Allerdings können wir einen Besuch dort zum aktuellen Preis von 150 SEK pro Person nicht empfehlen. Dafür ist es einfach zu teuer, unserer Meinung nach.

Du findest in Mannaminne von einem Künstlerpaar erbaute Gebäude, Kunstwerke und Geschichten aus aller Welt. Die meisten Informationen sind leider nur auf schwedisch vorhanden. Klar, manche Sachen sehen wirklich cool aus, wie die riesige, dreidimensionale Weltkugel oder das Technikmuseum mit alten Autos. Aber wie gesagt, den Preis ist es für uns nicht wert gewesen.

Aber schau selbst, ob das Museum dein Interesse weckt: Website von Mannaminne

Fazit: Eine absolute Empfehlung!

Insgesamt sind wir sehr begeistert von dem Küstengebiet Höga Kusten! Natürlich gibt es vor allem im Nachbarland Norwegen weiteraus spektakulärere Berge und Aussichten an der Küste. Aber für schwedische Verhältnisse ist die High Coast auf jeden Fall ein Highlight, zumindest für uns.

Auf YouTube haben wir zwei Videos für dich, mit denen du dir einen visuellen Eindruck von der High Coast machen kannst:

Schweden-Woche 3: Ostküste bis Westküste

Schweden-Woche 3: Ostküste bis Westküste

Diese Woche gab es für uns eine Mischung aus Urlaub und Arbeiten. Laura, Justus und ich haben täglich am Vormittag bis 13:00 Uhr aus dem Van gearbeitet. Danach haben wir weiter das wunderschöne Schweden erkundet. So lässt es sich doch leben 😀

Schluss mit lustig, an die Arbeit!

Die neue Woche beginnen wir auf einem wunderbaren Campingplatz in Hargshamns. Hargshamns ist weniger als 100km nördlich von Stockholm an einem Fjord gelegen, an dem Übergang zwischen Ostsee und Bottnischem Meerbusen. Auf unserem Stellplatz haben wir direkten Blick auf das Wasser, inklusive Sandstrand und Badebucht. Sogar für Pauli gibt es einen kleinen Badeplatz.

Bei sehr wechselhaftem Wetter starten wir unsere ersten halben Arbeitstage: In Erfahrung bringen, was auf der Arbeit passiert ist, während wir im Urlaub waren, sowie die vielen Emails lesen & abarbeiten. Unterbrochen wird unsere Strebsamkeit lediglich davon, dass wir uns ständig den neuen Wetterbedingungen anpassen müssen: Tür öffnen, Tür schließen, Jacke an, Jacke aus, Pulli drüber, „T-Shirt reicht“, Jacke wieder an und so weiter. Das Wetter wechselt hier jede halbe Stunde, und wenn man den Himmel beobachtet, kann man sich eigentlich noch weniger darauf einstellen, denn die Wolkenbildung und Windrichtung scheinen hier anderen Naturgesetzen zu folgen 😀

Am wohlverdienten Feiernachmittag, unser Feierabend beginnt nämlich ab 13:00 Uhr, springen wir wieder in die Wanderschuhe und wollen die Gegend unsicher machen. In der Nähe gibt es einen kleinen Wald, den man laut Karte bei einer kleinen Wanderung erkunden kann. Auf der Karte vom Campingplatz ist zwar nur die Hälfte des Weges abgebildet, aber wir wollen uns überraschen lassen. Die Bewegung und frische Luft brauchen wir nach den 4 Stunden Dauer-Laptop-Arbeit dringend. Den Eingang zum Wanderweg finden wir recht schnell und marschieren los in den Wald hinein. Auch heute heißt es wieder leider „keine Pilze in Sicht“. Dafür sind die Wegesränder wieder voller Blaubeersträucher – Laura, Janne und Pauli kommen kaum hinterher mit dem Pflücken und Naschen der leckeren blauen Kügelchen.

Auf halber Strecke kürzen wir den Wanderweg ab, denn die Sonne überrascht uns heute ein weiteres Mal. Selbst im Wald wird es so recht warm – was für Pauli bekanntermaßen nicht so toll ist. Auf dem Rückweg entdecken wir mitten im Wald eine alte, verlassene Hütte. Dieser Lost-Place ist für Malina genau das Richtige. Die Hütte wurde teilweise von umgestürzten Bäumen zerstört und der Einstieg gestaltet sich etwas schwierig. Justus findet in einem Kämmerlein alte Klappstühle, verstaubte Kleidung und schwedische „Groschen“-Romane von 1979. Malina entdeckt einen alten Blech-Wasserkessel, den sie als Souvenir einsteckt. Wir laufen zufrieden zu unseren Reisemobilen zurück.

Auf dem Rückweg überkommt uns der Heißhunger auf Pommes. Die wollen wir schon seit Tagen essen. Und was für ein Glück, dass kurz vor dem Campingplatz ein griechisches Restaurant ist 😉 Justus und ich holen schnell Geld und besorgen eine ordentliche Portion von den köstlichen, goldgelben Kartoffelsticks. Beim Warten auf die Pommes gönnen wir uns eiskaltes, griechisches Bier mit 5,0% – also endlich mal wieder richtiges Bierchen und nicht das Reduzierte aus Schweden. Das macht diese Pommes mit umgerechnet 20€ zu den teuersten, die ich jemals gegessen habe 😀

Den Abend lassen wir bei untergehender Sonne ruhig ausklingen. Wir kochen Buchweizen-Risotto mit Blumenkohl an Curry-Sauce und genießen anschließend eine ausgiebige, warme Dusche.

Glückspilze und Abenteuer in Fjällnora

Die kommenden zwei Tage verbringen wir auf einem Campingplatz in Fjällnora, wenige Kilometer nördlich von Uppsala. Wir haben uns dazu entschlossen von der Ostküste wieder etwas mehr ins Landesinnere zu reisen. Dann haben wir es näher, wenn wir Malina am Donnerstag zum Flughafen nach Stockholm bringen. Anschließend wollen wir die vorhergesagten sonnigen Tage an Schwedens Westküste verbringen, damit wir knackig braun aus dem Urlaub wiederkommen 😉

Der Campingplatz in Fjällnora liegt an einem Naherholungsgebiet mit großem Badestrand, Grillplätzen, riesigen Tippie-Zelten, Fußballgolf, einem Hochseilgarten und einem Spielplatz für Janne. In den nächsten Tagen sehen wir immer wieder Wanderer mit großem Gepäck auf ihren Rücken, da hier neben kleineren Rundwanderweg auch der 50 Kilometer lange Fernwanderweg „Upplandsleden“ verläuft. Derzeit bin ich etwas angefixt, was Fernwanderungen angeht, da ich das Buch von Simon Michalowicz, der Norwegen der Länge vom Süden bis zum Nordkapp wandert (Norge på langs) und seine Reise in diesem Buch beschreibt, lese. Ich bewundere die Ausdauer und den Willen, die hinter einer solchen mehrtägigen oder sogar mehrwöchigen Wanderung stecken, wirklich sehr.

Unser Stellplatz ist etwas abseits von dem Trubel in dem Naherholungsgebiet, auf der anderen Seite einer Koppel. Da es in den letzten Tagen auch hier immer wieder geschauert hat, ist der Boden stellenweise durchtränkt. Als Justus auf dem etwas abschüssigen Gelände rückwärts auf seine Auffahrkeile fahren will, drehen die Vorderräder an Ort und Stelle durch – festgefahren. Die Profile der Reifen füllen sich mit feuchter Erde und die Räder haben keinen Grip mehr. Das Wohnmobil gräbt sich nur immer weiter in den weichen Boden. Ein Abschleppseil, mit dem man den Wagen herausziehen könnte, haben weder wir noch Justus dabei (steht jetzt schon auf der Packliste für die nächste Tour). Das Problem lösen wir am folgenden Nachmitttag mit Spaten, Wagenheber und einigen Steinplatten absolut männlich-heroisch und parken Justus‘ Wohnmobil um. Dazu werden wir von einem unserer Nachbarn auf dem Platz herzlich beglückwünscht (wir wurden anscheinend beobachtet).

Den Rundwanderweg, den wir am zweiten Tag nach der Arbeit in Angriff nehmen, ist 4,5 km lang und führt um den nahegelegenen See Ramsen. Wir stampfen los und sind auch schon bald umgeben von dichtem Waldgrün und steinigen Wegen. Wir dürfen immer wieder die tolle Aussicht auf den glitzernden See genießen. An den Wegesrändern finden wir wie gewohnt zahlreiche wilde Heidelbeeren. Das führt dazu, dass wir die Hoffnung auf eine leckere Pilzpfanne recht frühzeitig aufgeben. Denn bisher hatten wir nur Pilzglück, wenn es keine Blaubeeren gab.

Dieser vermutete Zusammenhang erweist sich als falsch und wir werden nach einem Viertel der Strecke mit zwei richtig großen Birkenpilzen und einigen kleinen Frauenschwammerln überrascht. Das feiern wir natürlich richtig und die gute Laune steigt nochmal um einiges – heute Abend wird es Nudeln mit veganer Pilzrahmsoße vom allerfeinsten geben!

Schöner Wald, fantastische Aussichten, gutes Wetter, leckere Blaubeeren und Pilze – kann die Wanderung noch cooler werden? Ja, sie kann. An einer Holzbrücke auf ca. der Hälfte der Strecke entdeckt Laura, versteckt in den Steinen am Seeufer, eine Schlange. Unser Natur-Experte Justus identifiziert sie als giftige Ringelnatter. Also beobachten wir sie aus sicherer Entfernung, wie sie sich an den Steinen entlang schiebt und immer wieder ihren Kopf hebt, um zu schauen, was wir machen. Gegen Ende der Wanderung läuft uns eine Blindschleiche vor die Füße. Diese Echsenart ist nicht giftig und Justus nimmt sie in die Hand, damit wir sie uns näher anschauen können. Anfassen möchte sie aber sonst niemand von uns, auch nicht die abenteuerlustige Janne.

Das ganz große Abenteuer, das Janne sich bei jeder Wanderung wünscht, erleben wir, als wir plötzlich vor einem kaputten Steg stehen, der uns über den Fluss bringen soll. In der Mitte fehlt ein großes Stück und ein anderer Teil treibt im Wasser. „Na toll, durchschwimmen oder die ganze Strecke zurücklaufen“, denken wir im ersten Moment, bis wir merken, dass es sich um eine Floßbrücke handelt. Der Mittelteil der Brücke, der augenscheinlich im Wasser „treibt“, ist an Ketten befestigt, an denen man ihn von der einen zur anderen Seite bewegen. So hüpfen wir nacheinander auf die Plattform und schaffen es, den Fluss trockenen Fußes zu überquerten.

Zum Abschluss dieser wunderschönen Wanderung gibt am Spielplatz für jeden ein Eis vom Büdchen, bevor wir uns auf den Weg zu unseren Reisemobilen machen, um das köstlichste Pilzgericht der Welt zuzubereiten.

Endlich wieder Badewetter

Am kommenden Tag fährt Justus etwas früher los, um Malina zum Flughafen Arlanda zur bringen. Wir treffen uns gegen 16 Uhr auf dem Parkplatz eines Supermarkts in der Nähe von Stockholm wieder. Hier versorgen wir uns mit frischen Lebensmitteln und starten bei super Wetter mit bester Laune in den Nachmittag. Die Sonne hat es endlich durch die immer wieder auftauchende Wolkendecke geschafft und die Temperaturen erreichen schnell wieder 25°C. Wir tauschen unsere regenfesten Wanderschuhe gegen die luftigen Birkenstock Sandalen und wollen den angebrochenen Tag an einem Badplats verbringen.

Die Straße führt uns nach Kvicksund in die Nähe von Västerås an eine etwas abseits gelegene Badestelle. Der Parkplatz ist zwar etwa 500m von der eigentlichen Badestelle entfernt, das macht uns aber nichts aus, denn hier können wir auf jeden Fall bis zum nächsten Morgen stehen bleiben.

Wir packen unsere Badesachen und marschieren die kurze Strecke zum Wasser. Wenn jemand hinter uns gehen würde, würde er oder sie denken, dass wir unterwegs den Schuhplattler tanzen. Unsere sexy Waden sind das Ziel zahlreicher Mücken und wir klatschen beim Gehen immer wieder mit der flachen Hand auf unsere Unterschenkel.
Zum Glück bezieht sich das Mückenproblem nur auf den Weg zum Wasser. An dem tollen Badeplatz selbst haben wir unsere Ruhe, zum einen von den kleinen Plagegeistern und zum anderen von weiteren Badegästen. Die Badestelle wird unser kleiner Privatstrand.

Den kommenden Vormittag verbringen wir arbeitsbedingt im Auto und unser Moskitonetz kommt zum ersten Mal zum Einsatz. Bei geöffneter Schiebetür befestigen wir das Netz, das eigentlich für’s Bett gedacht ist, einfach von außen mit Magneten an Freddies Karosserie. Das geht schnell und funktioniert wunderbar. Wir freuen uns sehr über den Insektenschutz, denn zu den Mücken gesellen sich noch einige Bremsen.

Nach getaner Arbeit heißt es wieder: Back on the Road. Denn unser Ziel, die Westküste Schwedens, ist noch einige Kilometer entfernt.

Baden die Zweite diese Woche

Wir fahren knapp 200km in die Nähe von Mariestad am Vänern, dem größten See Schwedens. Mit seinen 5.519 Quadratkilometern Fläche ist der Vänern sogar der drittgrößte See Europas. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Am westlichen Rand von Mariestad gibt es eine große Golfanlage und einen Parkplatz mit Zugang zu einem großen Sandstrand. Es gibt sogar einen separaten Hundestrand, der sowohl für Hund als auch Mensch wirklich schön ist. Wir haben Glück und der Hundestrand ist im Gegensatz zum normalen Badestrand kaum besucht. So finden wir ein nettes, sonniges Plätzchen in Wassernähe und genießen einfach mal die Ruhe und die Sonne nach der langen Fahrt.

Baden im Naturreservat Stora Amundön

Wir fahren weiter an die Westküste. Unser Ziel ist ein Badeplatz im Großraum Göteborg. Der Wettergott meint es heute wieder sehr gut mit uns. Vermutlich ist das die Entschädigung für die letzten 2 Wochen, siehe Wochenrückblick Woche 1 und Woche 2 😉

Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir ca. 2 Stunden nach Stora Amundön. Auf Google Maps hat Justus hier einen schönen, großen Sandstrand ausfindig gemacht. Voller Vorfreude folgen wir den Anweisungen der Google Navigation und stehen plötzlich vor einem verschlossenen Tor. Hier geht’s nicht weiter. Wir prüfen das Ziel in der Navigation. Aber das stimmt, hier sollte es eigentlich weiter gehen zu dem Parkplatz der Badestelle. Da wir uns nicht mit dem eisernen Wegversperrer anlegen wollen, legen wir den Rückwärtsgang ein und stellen uns auf den nahegelegenen große Schotterparkplatz. Dort finden wir heraus, dass unser ursprügnliches Ziel ein Badeplatz extra für Behinderten ist. Das erklärt, warum es hier nicht weiter ging. Aber zum Glück gibt es noch weitere Badestellen auf einer kleinen Insel, die wir zu Fuß von dem Schotterparkplatz erreichen können. Also, Badesachen und ein bisschen Proviant eingepackt und schon geht’s los.

Die Insel ist richtig cool! Es gibt einen Rundwanderweg, den Naturstig, über den man verschiedene kleinere und größere Badestellen in dem Naturreservat erreichen kann. Wir treten direkt ein in ein umzäuntes Gelände, in dem zwei Pferde „frei“ herumlaufen und zahlreiche Gänse grasen. Der Weg führt weiter durch einen Eichenwald. Die knorrigen Bäume sind ganz merkwürdig geformt. Die Äste gehen häufig fast im rechten Winkel vom Stamm ab und an den Felsen werden sie platt und schmiegen sie sich wie Pudding an das Gestein.

Es geht weiter am felsigen Ufer entlang, teilweise über Holzstege, die im Felsen befestigt direkt am Wasser verlaufen. Wir kommen an eine große Wiese mit einem kleinen Sandstrand, auf der wir uns niederlassen. Im Wasser schwimmen zwar einige Algen und auch der Boden ist mit Algen bedeckt, aber die Wassertemperatur ist okay. Laut Tafel soll es 17 Grad warm sein. Es weht eine leichte Brise, sodass es trotz wolkenfreiem Himmel und strahlendem Sonnenschein nicht zu warm ist. Wir genießen den wunderschönen Nachmittag mit Sonnenbaden, Schwimmen und Lesen am Strand. Laura überwindet sogar ihre Angst vor Wasser, bei dem sie den Boden nicht sehen oder mit den Füßen fühlen kann, und schwimmt mit Janne und Justus einige Meter im tiefen Meer. Es ist so tief, dass man von den Felsen reinspringen kann. Also wirklich tief.

An diesem Platz gefällt es uns so gut, dass wir bis Montag bleiben wollen und dann nach der Arbeit weiter fahren Richtung Trelleborg. Am kommenden Donnerstag geht leider unsere Fähre wieder zurück nach Deutschland.

Übernachtungsspots der Woche:

Veganes Essen:

  • Buchweizen-Risotto mit Blumenkohl an Curry-Sauce
  • Vegane Hot-Dogs, wieder mit der bekannten Burger-Sauce
  • One Pot Pasta mit cremiger Pilzsauce
  • Kartoffel-Möhren-Untereinander mit Kidneybohnenbuletten und Salat
  • Gemüse-Bratkartoffeln mit Blumenkohl und Würstchen
  • Wraps mit Salat, Tofuwürfeln und köstlicher Cocktailsauce


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